Geschichten

Zeitreise per Tablet

25.07.2018 — Die individuelle Betreuung für Menschen mit Demenz kann auch durch moderne Technik unterstützt werden. In sechs Kursana-Einrichtungen sind tragbare Computer im Einsatz, die mit einer speziellen Software helfen, Erinnerungen zu wecken.
Mit einem Fingerwischen in die Erinnerungen eintauchen: Stefanie Ondruch macht mit Lieselotte Tichelmann und Margot Stehle ein Quiz am Tablet. Die beiden Domizil-Bewohnerinnen raten konzentriert mit

Mit einem Fingerwischen in die Erinnerungen eintauchen: Stefanie Ondruch macht mit Lieselotte Tichelmann und Margot Stehle ein Quiz am Tablet. Die beiden Domizil-Bewohnerinnen raten konzentriert mit

Da haben sich zwei gefunden: Lieselotte Tichelmann, 95, und Margot Stehle, 85, sind beim Rätsellösen ein eingespieltes Team. Dabei kennen sie sich erst kurz. Die beiden Bewohnerinnen des Kursana Domizils Griesheim sitzen bequem auf einem Sofa und haben großen Spaß mit den Bildern und Fragen, die ihnen Stefanie Ondruch, 34, Leiterin der sozialen Betreuung, auf einem Tablet-PC „serviert“. Als der Eiffelturm auf dem Bildschirm zu sehen ist, ruft Lieselotte Tichelmann: „Das ist Paris.“ Bingo!

Welches Gemüse wird zwischen April und Juni geerntet, Karotten oder Spargel? lautet die nächste Rätselfrage. Das Duo lacht. Kinderleicht. Denn Spargelfelder liegen direkt vor der Haustür des Domizils. Das Tablet  hat die beiden Damen zusammengebracht. „Die Chemie zwischen uns stimmt, wir können ja mal zusammen Mittag essen“, sagt Lieselotte Tichelmann zu ihrer Nachbarin auf dem Sofa.

Als neue Therapiemethode bietet die moderne Technik zusätzliche Möglichkeiten für den Zugang zu Menschen mit Demenz, findet Betreuerin Stefanie Ondruch. Die Filme, Musik und Bilder auf dem Bildschirm geben den Bewohnern Anstöße, eigene Erlebnisse aus der Vergangenheit lebendig zu machen. Zudem sind sie für Bewohner, Pflegekräfte und Angehörige eine abwechslungsreiche Ergänzung im Pflegealltag.

Margot Stehle sieht in einem kurzen Film, wie ein Knopf an eine Bluse genäht wird. Sofort fällt ihr dazu etwas ein. „Meine Oma hat als Schneiderin gearbeitet“, sagt sie. „Immer wenn ich bei der Oma war, durfte ich alles.“ Betreuerin Stefanie Ondruch wischt mit dem Zeigefinger übers Tablet und zieht das nächste Video mit einer kuscheligen Katze auf den Schirm. Margot Stehle ist entzückt. Sie fährt langsam mit den Fingern über die Glasplatte, als wolle sie das Tier streicheln. „Wir hatten zu Hause eine Katze, die ist uns nach dem Krieg zugelaufen.“ Zug um Zug kommen mehr Erinnerungen zurück. Zu einem Film mit einer Modelleisenbahn sagt die 85-Jährige: „Das ist der Bahnhof Zoo. Ich komme aus Berlin.“

Dass die Beschäftigung mit dem Tablet wie bei Margot Stehle die Kommunikation und Interaktion anregt, bestätigt auch eine Studie der Berliner Charité. Darüber hinaus würden das Gedächtnis trainiert, positive Gefühle verstärkt und der Kontakt zu Pflegenden und Angehörigen intensiviert.

Das wird auch bei Adelheid Meissner, 90, deutlich. Sie blüht auf, wenn aus dem Tablet die ersten Töne des Volksliedes „Alle Vögel sind schon da“ erklingen. Zur Melodie singt sie lautstark mit. Die Krankheit hat die Texte nicht aus ihrem Gedächtnis radiert. Als Adelheid Meissner nach ihrer persönlichen Tablet-Singstunde im Rollstuhl zurück in den Wohnbereich begleitet wird, singt sie fröhlich weiter „Freude schöner Götterfunken“.

Diese positive Erfahrung hat auch Antje Höhn gemacht. Die Kursana-Projektleiterin ist für die Testphase mit den Tablets in sechs Einrichtungen zuständig. Sie hat erlebt, dass an Demenz erkrankte Menschen, die kaum oder gar nicht sprachen, mehr Lebensfreude zeigten und auf einmal aus ihrem Leben erzählten. Auch sonst aktiviere der Umgang mit der neuen Technik die Lebensgeister. Ein ehemaliger Mathematiklehrer beispielsweise hatte Freude daran, Rechenaufgaben zu lösen. „Alle Beteiligten sind fasziniert von der Vielfalt der Möglichkeiten, die das Gerät bietet“, sagt sie.

Doch bei aller Freude über den neuen Therapieansatz betont Antje Höhn: „Die Technik unterstützt die Pflege und sie bereichert den Alltag. Aber sie ersetzt nicht die menschliche Zuwendung.“

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