Unbekanntes hinter hohen Mauern

23.12.2014 — Gefängnisse sind verborgene Welten inmitten unserer Gesellschaft und zugleich ein fester Bestandteil von ihr. Dass diese Welten bestehen, dafür sorgen jeden Tag hunderte Mitarbeiter, unter ihnen auch Experten von Dussmann Service. Ein Besuch in der JVA Bremervörde.

Ein Ärztehaus im Miniaturformat. Wenn der Staat Menschen die Freiheit entzieht, ist er auch für sie verantwortlich. Es gilt: Die medizinische Versorgung innerhalb einer Justizvollzugsanstalt darf nicht schlechter sein als außerhalb

Wer in einer Justizvollzugsanstalt arbeitet, muss täglich eine ganze Reihe von festen Regeln und Sicherheitsbestimmungen beachten. Da kann es schon mal vorkommen, dass die eigenen Arbeitsmaterialien angeschlossen sind

Zeit und Freiheit. Diese Begriffe begleiten einen durch die Justizvollzugsanstalt Bremervörde. Sie schweben durch Flure und Sicherheitsschleusen, vorbei an Haft- und Warteräumen. Vom einen gibt es viel, vom anderen wenig. In diesem Spannungsfeld bewegen sich Gefangene und Beschäftigte. Auch Besucher tauchen darin ein, sobald sie die Eingangstür passieren und eine Welt betreten, die von klaren Regeln und festen Tagesabläufen zusammengehalten wird.

„ Die Gefangenen haben 24 Stunden Zeit.“

Zeit ist relativ, das ist bekannt. Wir nehmen die real existierenden Stunden unterschiedlich wahr und so vergehen sie – je nach eigener Verfassung und Umgebung – mal langsamer und mal schneller. Auch in der Justizvollzuganstalt Bremervörde wird dies deutlich. Wer hier inhaftiert ist, ist männlich, über 18 und verbüßt eine Freiheitsstrafe von grundsätzlich nicht mehr als fünf Jahren. Wie schnell diese Zeit vergeht, hängt von jedem Einzelnen der rund 300 Gefangenen selbst ab. Möglichkeiten, die Wochen und Monate zu füllen, existieren in Form von Pflichten sowie Bildungs-, Arbeits- und Sportangeboten. Generell gilt: Jeder Gefangene muss arbeiten. Je nach Eignung und beruflicher Laufbahn werden die Männer einem bestimmten Bereich zugeteilt. Ganz oben auf der Wunschliste steht die Küche. Sie ist groß und das bedeutet mehr Bewegungsfreiheit. So wird Platz zu einem gefragten Gut. Das weiß auch Tino Mewes und achtet ganz genau darauf, wen er beschäftigt. Der Betriebsleiter der Küche arbeitet für Dussmann Service und kontrolliert nicht nur die Qualität der Speisen, sondern auch die Leistung und das Benehmen der Häftlinge. Sein Arbeitsplatz hat für Mewes nichts Ungewöhnliches mehr, achtsam ist er trotzdem: „Man darf nie vergessen, wo man hier ist. Man muss keine Angst haben, aber Respekt ist geboten. Schließlich haben die Gefangenen 24 Stunden am Tag Zeit, sich zu überlegen, was sie anstellen könnten.“ BAM ID selbst unterhält vier Werkbetriebe im geschlossenen Vollzug, in denen beispielsweise Montage-, Sortier- und Verpackungsarbeiten, Konfektionierungen sowie Fertigungs- und Schlosserarbeiten vorgenommen werden. Nicht nur Arbeitsprozesse sind streng geregelt. Auch in einer JVA wird geleistete Arbeit bezahlt und wohin dieser Lohn fließt, steht von Anfang an fest. Ein Teil, das sogenannte Eigengeld, wird verwendet, um beispielsweise Schadensgeld an die Opfer der Häftlinge zu zahlen. Ein weiterer Teil, das Überbrückungsgeld, bildet die Rücklage für die Zeit nach der Haft. Der restliche Betrag bildet das Hausgeld und steht den Männern für den „Gefängnis-Kiosk“ zur Verfügung. Hier können sie aus über 400 Artikeln auswählen: von Nahrungsmitteln über Tabak bis hin zu Zeitschriften und, im beschränkten Rahmen, auch Technik. Dabei läuft alles bargeldlos ab, denn Drogenhandel und Bestechung sind in jedem Gefängnis ein heikles Thema. Neben „Arbeit“ lautet das Zauberwort für mehr Beschäftigung in Bremervörde: ländliche Erwachsenenbildung. Hier werden Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Gefangene geschaffen. Denn Inhaftierung bedeutet nicht Wegsperren. Es geht darum, die Männer auf die Zeit nach ihrer Entlassung vorzubereiten und ihnen einen Wiedereinstieg in die Gesellschaft zu ermöglichen. Das geschieht mitunter durch eine Haftlockerungsmaßnahme, den offenen Vollzug. Auch hier bietet BAM ID einen weiteren Werkbetrieb an. Wie Zeit in einem zehn Quadratmeter großen Haftraum vergeht, erlebten die geladenen Gäste zum Betriebsstart der JVA im Januar 2013: Wer wollte, konnte sich eine Nacht einschließen lassen und „probeliegen“.

Modernes Ärztehaus im Miniaturformat

Tür auf, Tür zu. Eine der häufigsten Handlungen, wenn man die JVA Bremervörde durchquert und dabei Sicherheitsschleusen und Metalldetektoren passiert. Ein Stück eigene Freiheit bleibt am Eingang zurück. Für Gefangene aufgrund der Straftaten, die sie begangen haben. Für Besucher und Beschäftigte aufgrund ihrer persönlichen Sicherheit. Auch die körperliche Unversehrtheit der Gefangenen muss gewährleistet sein. Wenn der Staat Menschen die Freiheit entzieht, ist er für sie verantwortlich. Die Krankenversicherung ruht, an ihre Stelle tritt die Fürsorgepflicht. Und die besagt, dass Patienten innerhalb einer JVA nicht schlechter versorgt werden dürfen als außerhalb. Dementsprechend gleicht der medizinische Bereich in Bremervörde einem modernen Ärztehaus im Miniaturformat. Ein Allgemeinmediziner, ein Psychiater, ein Zahnarzt und Krankenschwestern gehören zum festen medizinischen Personal. In einem voll ausgestatten Behandlungszimmer praktizieren je nach Bedarf auch externe Spezialisten, beispielsweise Augenärzte. Ziel der Top-Ausstattung ist es, möglichst alle Beschwerden der Gefangenen in der JVA zu behandeln. Ein Transport, etwa in Krankenhäuser, wäre zeit- und kostenintensiv. Der Gefangene müsste rund um die Uhr von einem Justizvollzugsbeamten begleitet und beaufsichtigt werden.

„Man muss Menschen mögen.“

In einem Behandlungszimmer sitzt der stellvertretende Anstaltsarzt Dr. med. Klaus J. Fritzsch und verbindet einem Häftling die Hand. Fritzsch ist wie Tino Mewes bei Dussmann Service angestellt und nach 25 Jahren als Arzt in verschiedenen Anstalten bringen ihn weder Verletzungen noch die dazu gehörenden Entstehungsgeschichten aus der Ruhe: „Man muss Menschen mögen, egal, wo sie gerade sind. Ich interessiere mich nicht dafür, was die Gefangenen gemacht haben, um hier zu landen. Das darf ich auch nicht, sonst wäre ich nicht objektiv.“ Die Krankheitsbilder ähneln sich von Gefängnis zu Gefängnis. Viele der Patienten sind psychisch erkrankt oder suchtkrank. Dabei können psychische Probleme schon bei der Einweisung bestehen, aber auch während der Haft entwickelt werden – nicht jede Seele hält dem Freiheitsentzug auf Dauer stand. Drogen- und Alkoholmissbrauch ziehen Krankheiten wie Hepatitis und HIV-Infizierungen mit sich. Wenn die Gefangenen zu Klaus J. Fritzsch müssen, gleicht das einer kleinen Reise. Zu ihrem Termin werden sie in ihrem Haftraum von einem Justizvollzugsbeamten abgeholt, zum medizinischen Bereich gebracht und dort in einem Warteraum, der an das eigentliche Behandlungszimmer angrenzt, platziert. Nach der Behandlung geht es zurück in den Warteraum und dann – wieder in Begleitung – in den eigenen Haftraum.

„Die große Stärke liegt in der Geschlossenheit unserer Beschäftigten.“

Fragt man die Mitarbeiter in Bremervörde nach ihrem eigenen Freiheits- und Sicherheitsempfinden, lautet die einhellige Antwort: „Ich denke gar nicht mehr daran, dass ich im Gefängnis bin und die vielen Schließvorgänge führt man nach einer Woche ganz automatisch aus.“ Als sogenannter „Bediensteter“ in der JVA Bremervörde arbeitet man entweder in der Verwaltung, welche aus den Fachbereichen Sicherheit, Personal und Finanzen besteht, in der Sicherheitszentrale oder als Beamter im Allgemeinen Vollzugsdienst – kurz AVD – in einer der vier Vollzugsabteilungen, in denen die Gefangenen untergebracht sind. Die AVD sorgen für Sicherheit, haben eine zweijährige Ausbildung in verschiedenen Justizvollzugsanstalten absolviert und waren oftmals zuvor bei der Armee oder der Polizei. In Bremervörde bekommen alle Neuankömmlinge unter den Mitarbeitern einen Paten an die Seite gestellt – zur schnellen Einarbeitung und Unterstützung. Anstaltsleiter Dr. Arne Wieben, zuvor Staatsanwalt, bekräftigt: „Die große Stärke unserer JVA liegt in der Geschlossenheit ihrer Beschäftigten. Wir arbeiten hier wirklich als Team. Das ist nicht selbstverständlich, wenn man bedenkt, dass wir sowohl Landesbeamte als auch Mitarbeiter von Dienstleistungsunternehmen beschäftigen.“ Diese Einheit braucht es laut Dr. Wieben auch, denn: „Wir dürfen nie vergessen, dass wir es mit Tätern zu tun haben, die die härteste Strafe innerhalb unseres Rechtssystems erhalten: Gefängnis. Deshalb brauche ich Mitarbeiter, die im Notfall immer bereit sind, Präsenz zu zeigen, die schnell reagieren und den Sicherheitsregeln folgen.“ Präsenz zeigen, das gilt auch außerhalb der Justizvollzugsanstalt. Denn Gefängnisse sind ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft, bleiben aber meist im Verborgenen. Und was Menschen nicht kennen, davor haben sie Angst. In Bremervörde erhielten Anwohner, Geschäftsleute und Medien von Beginn an die Möglichkeit, einen Blick hinter die 6,50 Meter hohen Mauern zu werfen. So wurde aus einer unbekannten Welt ein ungewöhnlicher Nachbar.

ÖPP im Justizvollzug – ein Modell für die Zukunft

Die JVA Bremervörde ist die erste teilprivatisierte Justizvollzugsanstalt in Niedersachsen. Die Hoheit liegt beim Land, das eine öffentlich-private Partnerschaft mit der BAM PPP JVA Bremervörde Projektgesellschaft mbH geschlossen hat. Innerhalb dieser wurde die JVA geplant, finanziert und gebaut. Der laufende Betrieb wird durch die BAM Immobilien- Dienstleistungen GmbH (kurz BAM ID) abgedeckt. Einzelne Leistungen, wie beispielsweise den Medizinischen Dienst, vergibt BAM ID als Aufträge an externe Dienstleister wie Dussmann Service. Hoheitliche, also vom Land Niedersachsen weiterhin selbst wahrgenommene, Leistungen sind beispielsweise die Leitung und Verwaltung der JVA, die Vollzugs- und Sicherheitsdienste.

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