Training für die Blase

26.10.2017 — Rund fünf Millionen Menschen in Deutschland leiden an Inkontinenz, also dem unkontrollierten Urinverlust. Schämen muss sich dafür niemand – aber jeder Betroffene sollte zum Arzt gehen. Denn über 80 Prozent können geheilt werden.

Gern hätte Hildegard Stadler, 82, die Einladung zum Sommerfest angenommen. Aber was, wenn sie ihre Blase wieder im Stich lässt? Wenn sie es nicht schnell genug zur Toilette schafft? Die Seniorin schiebt eine Erkältung vor und sagt ab. Sie wird den Nachmittag wieder allein in ihrer Wohnung verbringen.

Hildegard Stadler gehört zur hohen Zahl der von Inkontinenz Betroffenen, die ihr Leiden verschweigen. „Viele trauen sich nicht einmal, darüber mit ihrem Arzt zu sprechen. Sie schämen sich für ihre Erkrankung, und ihr soziales Leben ist oft stark eingeschränkt“, sagt Dr. Klaus Esders, Leiter des Kontinenz-Zentrums Neumünster. „Dabei gibt es viele Therapiemöglichkeiten.“ Der erste Schritt muss jedoch sein, sich ein Herz zu fassen und einen Arzt aufzusuchen.

Es gibt unterschiedliche Formen von Inkontinenz und Therapien. Die Stress-Belastungsinkontinenz tritt unter körperlicher Belastung wie Lachen, Husten, Heben oder Niesen auf. Bei einer Dranginkontinenz entsteht ein intensiver Harndrang so spontan, dass eine Toilette nicht mehr erreicht werden kann. Bei der Überlaufinkontinenz schließlich tritt aufgrund einer übervollen Blase ständig Harn aus.

Was tun? Erste und häufigste Behandlungsmaßnahme ist die Stärkung der Beckenbodenmuskulatur. Spezielle Übungen sind einfach und auch im Sitzen oder Liegen durchzuführen. Beckenbodengymnastik eignet sich zudem hervorragend als vorbeugende Maßnahme. Anschaulich mit Fotos sind zehn Übungen unter „www.gesundheit.de“ erläutert.

Ebenfalls trainieren lässt sich, den Zeitraum zwischen zwei Blasenentleerungen schrittweise zu erhöhen, um den Schließmuskel zu stärken. „Es ist erstaunlich, wie groß der Erfolg eines Toilettentrainings sein kann. Dieser Aufwand sollte nicht gescheut werden“, sagt Dr. Andreas Wiedemann, Mitglied des Expertenrats der Deutschen Kontinenz-Gesellschaft. Diese empfiehlt zudem, Erfolge eines solchen Trainings aufzuschreiben und dem Arzt zeitnah Rückmeldung zu geben.

Damit sich die Wirkung bemerkbar macht, ist es wichtig, die Übungen über mehrere Wochen hinweg kontinuierlich durchzuführen. Darüber hinaus können Gewichtsreduktion und gesunde Ernährung (s. Kasten links) zu merklicher Linderung führen.

Zusätzlich kann nach ärztlicher Untersuchung eine Medikamenteneinnahme verabredet werden und – als letzte Möglichkeit – ein operativer Eingriff. „Es handelt sich bei der Inkontinenz um eine Krankheit, die man behandeln sollte“, bekräftigt Andreas Wiedemann nochmals die Notwendigkeit, zum Arzt zu gehen. Denn: Niemand muss seine Lebensqualität einschränken.
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