Seilschaften, die Leben retten

01.11.2011 — Hoch hinauf und tief hinunter: Egal, in welche Richtung es geht – wo Höhenretter arbeiten, wird anderen Menschen mitunter schwarz vor Augen. Auch auf der Baustelle des neuen Steinkohlekraftwerkes von E.ON in Datteln sind die schwindelfreien Retter im Einsatz und sorgen im Ernstfall für schnellstmögliche Hilfe. Ein Besuch in luftiger Höhe.

Seilschaften, die Leben retten

Serviceplus Das Magazin

Text: Anne Honisch
Fotos: Elmar Müller, Martin Lässig

Besser nicht nach unten schauen. Der Boden unter den Füßen ist fest, doch er befindet sich in 120 Meter Höhe. Auf dem Dach des Treppenturmes bekommt man eine Vorstellung davon, in welchen Dimensionen sich das zukünftige Steinkohlekraftwerk von E.ON in Datteln bewegt. Eine Herausforderung, auch für die Kletter-Experten. Wenn nötig, seilen sie sich aus dieser Höhe ab.  

Insgesamt zwölf Männer arbeiten hier im Schichtdienst als Höhenretter für Dussmann Service Deutschland. Auf der 60 Hektar großen Baustelle des neuen E.ON-Kraftwerkes in Nordrhein-Westfalen gelten hohe Sicherheitsanforderungen – für Mitarbeiter ebenso wie für Besucher: Wer das Gelände betreten will, muss eine Sicherheitsschulung absolvieren und eine persönliche Schutzausrüstung tragen. Ein sogenannter HSE-Manager koordiniert den kompletten Gesundheits-, Umwelt- und Arbeitsschutz während der Bauphase. Die Sicherheitsdienste samt Betriebsfeuerwehr und Sanitätsdienst übernimmt die Dussmann Service Zweigniederlassung in Essen, die bereits ein weiteres Kraftwerk in der Region betreut. Dussmann-Niederlassungsleiter Markus Bösl zum Auftrag: „Sicherheit ist ja allgemein ein wichtiges Thema. Aber bei einem Kraftwerksneubau wie diesem können die Maßstäbe nicht hoch genug angesetzt werden. Deshalb ist es für uns eine umso größere Herausforderung, dieses Projekt zu begleiten.“  

Sicherheitskräfte, Rettungsassistenten, Aufzugsführer … je weiter der Bau voranschreitet, desto mehr Mitarbeiter kommen zum Einsatz. Die Höhenretter sind bereits ab einer sehr frühen Phase mit dabei. Denn nicht nur die Treppentürme und Kesselhäuser, auch Kräne sind hoch und somit ein möglicher Einsatzort für das Team. Im Schicht-System stehen jeweils drei Männer täglich rund um die Uhr auf der Baustelle bereit. Kunde E.ON legt Wert auf eine eigene Mannschaft vor Ort. Zu Recht: Die nächste Feuerwehrwache mit ausgebildeten Höhenrettern befindet sich im 30 Minuten entfernten Dortmund.  

Üben. Und immer wieder üben.  

Wer als Höhenretter arbeiten will, muss in erster Linie schwindelfrei und körperlich absolut fit sein. Die notärztliche Versorgung und Evakuierung – beispielsweise eines verunfallten oder verletzten Arbeiters in einem Silo – stellt extreme Anforderungen an die Retter. Anforderungen, die sich auch in ihrer Ausbildung widerspiegeln. Höhenretter sind meist Feuerwehrleute oder Rettungsassistenten, die eine entsprechende Zusatzqualifikation absolviert haben.  

Das Dussmann-Team etwa nahm an einer mehrtägigen Schulung in Bayern und Hamburg teil – deutschlandweit bilden nur wenige anerkannte Einrichtungen Höhenretter aus. Der Lehrgang schafft eine Basis für spätere Kurse, regelmäßige theoretische und praktische Fortbildungen sind Pflicht in dieser Branche.  

Auf der Dattelner Baustelle hat Dussmann Service dafür einen eigenen Ausbilder engagiert. Genug „Kletterobjekte“ gibt es auf dem Gelände ja. Regelmäßig wird der Kunde informiert, bevor die Mannschaft in den Gebäuden übt und den Ernstfall probt. Mit kompletter Ausrüstung geht es für die Kletterer dann hinauf oder hinab – die Zeit immer im Blick.  

Leben retten will gelernt sein  

In den 70er und 80er Jahren entwickelten Alpinisten in Frankreich, Belgien und Großbritannien erste Techniken der Höhenrettung. Heute, vier Jahrzehnte später, sind die Vorgehensweisen genauestens festgelegt. Dabei bestimmen Ort und Art der Verletzung die exakten Rettungsmaßnahmen. Geht es in die Höhe, beispielsweise auf ein Baugerüst, oder in die Tiefe, etwa in einen Grabungsschacht? Ist die verletzte Person bei Bewusstsein oder ohnmächtig? Kann sie im Sitzen abgeseilt werden oder ist eine Trage notwendig? Wie stark sind die Verletzungen? Reicht ein Verband oder muss geschient werden?  

Selbst bei vergleichsweise einfachen Einsätzen trägt ein Höhenretter wenigstens 20 Kilo Material mit sich: Spezialkleidung, Helm, Gurt, Handschuhe, Karabinerhaken, Schlingen, motorisierte Winden und vor allem: Seile in unterschiedlichsten Ausführungen. Zwischen 15 und 200 Meter lang können sie sein – ein Fortbewegungsmittel in allen Höhen und Tiefen. Der richtige Umgang mit den Seilen schützt Retter und Verunfallte gleicher Maßen. Dementsprechend steht „Seilkunde“ auch auf sämtlichen Stundenplänen in der Aus- und Weiterbildung. Hinzu kommen Materialkunde, Einsatzplanung, Taktik und Gesundheitsschutz. Leben retten will gelernt sein, besonders in der Luft.  

Betrachtet man die Bauentwicklung in den vergangenen Jahren, wird einem schnell klar: Höhenretter ist ein Beruf mit Zukunft. Ob in Asien, den USA oder im arabischen Raum – Wolkenkratzer schießen aus dem Boden, Investoren liefern sich einen Höhen-Wettlauf am Himmel. Unabhängig vom Ausmaß des Gebäudes werden von Anfang an Höhenretter mit dabei sein. Denn Sicherheit und Seilkunde machen nicht an Ländergrenzen halt.      
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