Partnerschaft heißt für uns Dinge gemeinsam erleben

17.05.2020 — Dussmann das KulturKaufhaus ist ein Modell für den stationären Medienhandel und eine feste Größe im Berliner Kulturleben. Regelmäßig lädt das Medienkaufhaus auch bei freiem Eintritt zu Kurzkonzerten und Künstlergesprächen mit Newcomern und Stars ein.

Seit 2019 bilden sie die Doppelspitze des KulturKaufhauses: Thomas Burger und Andrea Ludorf

Die gut-sortierten Fachbuchabteilungen werden von Studenten mitunter wie eine Bibliothek genutzt

Auf über 7.500 qm Verkaufsfläche bietet Dussmann das KulturKaufhaus im Herzen Berlins eine Auswahl von über 800.000 Kulturmedien

Im Zentrum von Berlin – dort, wo in der Friedrichstraße das Herz der Hauptstadt schlägt – befindet sich Dussmann das KulturKaufhaus. Was macht es aus?

Andrea Ludorf: Das KulturKaufhaus wird als Kulturinstitution wahrgenommen. Es ist nicht nur ein Kaufhaus mit einem einmaligen Medienmix auf fünf Etagen, sondern – dank seiner vielen Partner und Veranstaltungen – auch ein Zentrum des kulturellen Austauschs. Es strahlt Kompetenz aus und fasziniert die Besucher.


Welche Bedeutung hat das KulturKaufhaus innerhalb der Dussmann Group?

Thomas Burger: Vom Umsatz her ist es ein kleiner Teil der Gruppe. Das Umsatzplus von 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zeigt jedoch, dass wir wirklich erfolgreich unterwegs sind. Wir wachsen damit deutlich stärker als die Branche. Durch das KulturKaufhaus wird die Dussmann Group  präsentiert und als Marke wahrgenommen. Wir sind quasi das Gesicht der Gruppe.

 

Es gibt Buchvorstellungen, Konzerte und Workshops. Das KulturKaufhaus ist Partner für Künstler, Autoren und Verlage. Mit welchem Ziel?

Andrea Ludorf: Die Dussmann Group ist ein Service-Unternehmen. „Dienstleistung kommt von dienen“, das war das Lebensmotto von Peter Dussmann, unserem verstorbenen Gründer. Man kann bei uns in jedes Buch hineinlesen, jede CD hören und in der Notenabteilung sind alle Noten frei zugänglich. Schwellenangst ist für uns ein Fremdwort. Manche Studenten nutzen unsere Fachbuchabteilung wie eine Bibliothek und danken es uns mit guten Umsätzen. Und immer wieder gibt es Veranstaltungs-Highlights: 2019 richteten wir unter anderem die Buchpremiere des ehemaligen
Bundespräsidenten Joachim Gauck aus zu seinem Buch „Toleranz – einfach schwer“.

 

Im KulturKaufhaus ist eine 4.000 Jahre alte Sphinx der Königin Hatschepsut zusehen – als Dauerleihgabe des Ägyptischen Museums. Welche Bedeutung haben solche Kooperationen?

Andrea Ludorf: Kooperationen sind unsere besondere Stärke. Wir treffen uns regelmäßig mit unseren Partnern und sprechen über gemeinsame Aktivitäten. Dazu zählen neben dem Ägyptischen Museum auch der Radiosender FluxFM oder die Staatsoper Unter den Linden. Unsere Zielgruppe sind dabei nicht nur die Berlinerinnen und Berliner.
Thomas Burger: 40 Prozent unserer Kunden sind Touristen, die wir gemeinsam mit unseren Partnern auch werblich ansprechen können. Kultur verbindet – das ist unsere Mission. Mit unseren Partnern tragen wir dazu bei, Neues zu entdecken und kulturelle Grenzen zu überwinden. Da kann eine Podiumsdiskussion mit Reni Eddo-Lodge zum Thema Rassismus schon auch mal eine Fortsetzung auf Twitter erfahren, oder der Blogger  Sascha Lobo übernimmt für einen Tag unsere Social-Media-Kanäle und postet zum Klimastreik, der gerade vor unserer Haustür stattfindet.

 

Wie haben Sie denn die Schließung während der Corona-Krise erlebt?

Andrea Ludorf: Es gab keine andere Option, aber es war für alle sehr schwer zu ertragen, denn schließlich lieben wir nichts mehr, als wenn wir morgens die Türen öffnen und schon die ersten Kunden davor warten, dass wir aufmachen. Es war so ein toller Moment für das ganze Team, als wir endlich wieder öffnen durften! Während der Schließung haben unsere KulturKuriere bestellte Wunschprodukte in die gesamte Innenstadt geliefert. Wir haben versucht, Menschen in Berlin etwas Freude und Ablenkung nach Hause zu bringen.

 

Was hat sich 2019 im Sortiment verändert? Und ist Lesen wieder in?

Thomas Burger: Die Buch-, Musik- und Medienbranche steht im Moment vor großen Herausforderungen. Der Bundesverband Musikindustrie und GfK Entertainment melden für 2019 zwar ein Umsatzplus von 8,2 Prozent für den deutschen Markt, allerdings werden inzwischen 65 Prozent dieser Umsätze mit Streaming erwirtschaftet. Der Buchmarkt ist davon zum Glück weit weniger betroffen. Diesen Veränderungen müssen wir in unserem Handeln Rechnung tragen, ohne unseren Markenkern der „kulturellen Vielfalt“ aus dem Auge zu verlieren. Wir pflegen nach wie vor die größte Jazz- und Klassikabteilung in Europa. Trotz disruptiver Marktverschiebungen ist unser Umsatz im Bereich Musik deutlich besser, als man es erwarten dürfte. Das zeigt uns, dass wir auf einem guten Weg sind. Wir haben im letzten Jahr die Flächen leicht angepasst und den Bereichen Papeterie und Merchandise mehr Platz eingeräumt. Insbesondere der Verkauf von T-Shirts, Tassen und anderen Fanartikeln aus dem Musikbereich kompensiert die leicht rückläufigen Umsätze bei den CDs. Vinyl hat sich als starker Umsatzbringer etabliert. Die Kunst besteht darin, nun eine Digitalisierungsstrategie zu realisieren, die die weiteren Veränderungen des Marktes antizipiert. Und dann wollen wir natürlich den Erlebnischarakter des KulturKaufhauses mit Hilfe unserer Partner noch stärker befördern.

 

Peter Dussmann stammte aus einem Buchhändler-Elternhaus. Was sind die entscheidenden Unterschiede zwischen dem Buchhandel damals und heute?

Andrea Ludorf: Der Einzelhandel hat sich in den letzten 20 Jahren sehr stark verändert – zunächst durch die Filialisierung des Flächenbuchhandels, aber natürlich besonders durch den zunehmenden eCommerce. Früher mussten Sie Ihren Bedarfskauf in der Buchhandlung decken. Heute haben Sie die Wahl, ob Sie in ein stationäres Fachgeschäft gehen oder doch lieber online bestellen. Kunden möchten im stationären Ladengeschäft etwas erleben, sie möchten Begegnungen machen, etwas entdecken, überrascht werden … Diese Themen stehen heute stärker im Fokus als früher. Interessant ist, dass Peter Dussmann das bereits gewusst haben muss, denn das Konzept des KulturKaufhauses ist genau so angelegt. Er war ein großartiger Visionär.

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