Nofretete schläft nie

01.10.2011 — Zu den Öffnungszeiten sind die weltberühmten Sammlungen auf der Berliner Museumsinsel ein Besuchermagnet. Aber auch nach Betriebsschluss kehrt nur vermeintlich Ruhe ein. 24 Stunden im größten Museumsensemble der Welt.

Zu den Öffnungszeiten sind die weltberühmten Sammlungen auf der Berliner Museumsinsel ein Besuchermagnet. Aber auch nach Betriebsschluss kehrt nur vermeintlich Ruhe ein. 24 Stunden im größten Museumsensemble der Welt.

Kundenorientiert und kompetent: Die Dussmann-Mitarbeiter werden in einem speziellen Trainingsprogramm geschult

Immer Hochbetrieb: Bis zu 7.000 Besucher besichtigen das Pergamonmuseum mit seinem berühmten antiken Altar pro Tag

Serviceplus Das Magazin

Text: Gerd Hartmann
Fotos: Kay Herschelmann

Zu den Öffnungszeiten sind die weltberühmten Sammlungen auf der Berliner Museumsinsel ein Besuchermagnet. Aber auch nach Betriebsschluss kehrt nur vermeintlich Ruhe ein. 24 Stunden im größten Museumsensemble der Welt.  

Montags hat die Kultur eigentlich ihren traditionellen Ruhetag. Trotzdem windet sich die Kassenschlange vor dem Bode-Museum an diesem sonnigen Wochenanfang im Herbst schon kurz vor 9 Uhr über die Spreebrücke und einmal um die Ecke. Dabei werden Tickets erst in einer Stunde verkauft. Wenn Leonardo Da Vincis „Dame mit dem Hermelin“ und andere hochkarätige Portraitgemälde zu Gast in der Stadt sind, strömen die Besucher, um diesen „Gesichtern der Renaissance“ direkt in die Augen zu schauen. Sieben Tage die Woche, davon an vier sogar bis 22 Uhr. Schließtag ist auf der Museumsinsel ein Fremdwort. Die schöne Ägypterin Nofretete und der Pergamon-Altar können täglich besichtigt werden. Nur eines der fünf Museen hält sich noch an das althergebrachte Wochenschema.  

Das bedeutet auch für das Dussmann-Team einen Rund-um-die-Uhr-Einsatz. 350 Dussmann-Mitarbeiter sind auf der Museumsinsel beschäftigt. Als Aufsichten schützen sie die Kunstwerke und sind Ansprechpartner für die Besucher aus aller Welt. An den Museumskassen verkaufen sie Tickets und nehmen an den Garderoben Mäntel und Rucksäcke entgegen. Der Wachschutz sorgt in- und außerhalb der Öffnungszeiten für Sicherheit und auch die vielen Baustellen auf der Insel werden von Dussmann-Mitarbeitern  gesichert. Zwar wurde mit der Wiedereröffnung des behutsam restaurierten Neuen Museums 2009 ein wichtiges Etappenziel geschafft. Aber der Masterplan für die Wiederherstellung und Neugestaltung des im Krieg schwer beschädigten Museumsquartiers sieht für die nächsten Jahre noch eine Reihe von Großprojekten vor: Das Pergamonmuseum soll einen vierten Flügel erhalten und am Spreeufer wird schon gebaggert. Hier entsteht ein zentrales Besucherzentrum in moderner architektonischer Formensprache, um die stetig wachsenden Besucherströme angemessen zu empfangen und zusätzlichen Ausstellungsraum zu schaffen.  

Hartmut Hentsch hatte heute schon um kurz vor acht Uhr alle Hände voll zu tun. Als Aufsichtsleiter im Pergamonmuseum ist er für alle dortigen Dussmann-Kollegen verantwortlich. Und für die steht vor der regulären Öffnungszeit eine ganz besondere Einweisung an. In den Ehrenhof, der normalerweise die Besucher mit monumentaler Geste empfängt, ist eine über 25 Meter hohe Metall-Rotunde eingebaut. Darin befindet sich das Herzstück einer neuen Ausstellung, die bis Ende September 2012 für zusätzliches Aufsehen auf der mit Attraktionen nicht gerade armen Insel sorgen wird: ein 103 Meter langes Rundpanorama des antiken Pergamon. Der Künstler Yadegar Asisi schuf diesen fotorealistischen 360-Grad-Blick über Stadt und Landschaft, den man von einer 15 Meter hohen Plattform aus genießen kann. Da sich dort oben nur eine begrenzte Zahl von Besuchern gleichzeitig aufhalten darf, stellt der grandiose Blick in das Alltagsleben vor 2.000 Jahren hohe Anforderungen an die Lenkung der Besucherströme. Ein videogestütztes Zählsystem steuert Ampeln, die mit ihrem Grün-Gelb-Rot-Schema dem Besucher auf vertraute Weise deutlich machen, wann er die Treppe zum Aussichtsturm betreten darf. Ein gutes Dutzend Oberaufsichten lauscht den Ausführungen der Ausstellungsorganisatoren, stellt Fragen und macht sich Notizen. Derweil läuft ein ganzer Tageszyklus inPergamon ab. Von der Morgendämmerung bis zur dunkelblauen Nacht in zehn Minuten – eine faszinierende Licht-Simulation. Doch dafür haben Hentsch und seine Kollegen gerade keine Augen. Zu wichtig sind all die Sicherheitsfragen, die bis zur Eröffnung in einigen Tagen geklärt werden müssen. Wahrscheinlich werden sie auch den Pergamonaltar auf dem Panorama erst später entdecken, der sich im Gewirr der vielen Bauwerke auf der Stadtabbildung versteckt. Etwas später, kurz vor zehn Uhr, stehen die Aufsichten dann gesammelt vor dem Original im Inneren des Museums. Die kurze tägliche Teambesprechung findet auf den Treppen des legendären Altars statt, der dem Museum seinen Namen gab. Dieses beherbergt neben der Antikensammlung auch noch das Vorderasiatische Museum und das Museum für Islamische Kunst. Eine Drehgenehmigung und eine außergewöhnlich hohe Anzahl an Führungen am Vormittag kündigt Hartmut Hentsch seinen Kollegen an. Dann verteilen sich die Dussmann-Mitarbeiter auf ihre Plätze. Öffnungszeit. Schon eine viertel Stunde später gleicht die Halle einem Bienenstock. 7.000 Besucher hat das Pergamonmuseum an Spitzentagen. Die mitten im historischen Stadtzentrum gelegene Spreeinsel mit ihren zwischen 1830 und 1930 erbauten Gebäudekomplexen gehört zum UNESCO-Welterbe und erzählt in ihren Sammlungen über 6.000 Jahre Kunst- und Kulturgeschichte der Menschheit. Steinzeitliche Funde sind hier genauso zu sehen wie die babylonische Prozessionsstraße mit dem blau gekachelten Ischtar-Tor. Byzantinische Elfenbeinschnitzereien strahlen im Bode-Museum, Gemälde von Caspar David Friedrich und den französischen Impressionisten verzaubern den Betrachter in der Alten Nationalgalerie. Nicht zu vergessen das Ägyptische Museum, wo Nofretete sich in majestätischer Schönheit zeigt. Rund drei Millionen Menschen aus aller Welt besuchen die unvergleichlichen Schätze jedes Jahr.  

Aufsichten sind Vertreter des Museums  

Es ist später Vormittag geworden. Die Schlange vor dem Bode-Museum ist noch ein bisschen gewachsen. Ein Akkordeonspieler vertreibt den Wartenden die Zeit mit einem fulminanten Straßenkonzert. Die Stimmung ist sehr entspannt. Der richtige Moment, um einen Spezialisten in Sachen Sicherheit zu treffen: „Im Museum soll der Besucher die Aura des originalen Objektes spüren können – aus größtmöglicher Nähe“, sagt Hans-Jürgen Harras. Trotzdem müssen die Kunstwerke geschützt werden, um das Kulturerbe auch der Nachwelt und der Forschung zu erhalten. Diese beiden Grundsätze sind für den Leiter des Sicherheitsreferates der Staatlichen Museen Berlin kein Widerspruch. Eher ein Balanceakt. Vitrinen, Sockel, Geländer – all das kann die Distanz schaffen, die Kunstwerke brauchen. Aber gegen den „wachsenden Hang zur Kriminalität in den letzten Jahrzehnten“, den Harras diagnostiziert, hilft das nur begrenzt. Zu deren Abwehr ist ein Arsenal an Technik erforderlich. Die mehrstufigen Sicherheitssysteme werden schon bei der Gebäudeplanung berücksichtigt und hören mit den Meldern noch längst nicht auf, die ein elektrisches Feld erzeugen, das sich bei Annäherung verändert. Dennoch: „Technik erfasst, Technik meldet, Technik ist ermüdungsfrei – aber eine Kamera springt nicht von der Wand und hält den Dieb fest. Wir brauchen den Menschen um zu handeln, oft in Sekundenbruchteilen.“ Nicht nur dafür sind die Aufsichten wichtig. Sie werden als Vertreter des Museums wahrgenommen“, unterstreicht Harras. Wenn ein Besucher freundlich und kompetent empfangen wird, fühlt er sich aufgehoben und hält sich an die Regeln: „Eine Aufsicht ist nicht nur ein Wachmann, der einfach dasteht.“  

Um diesen Anspruch umzusetzen, entwickelten führende Museen in Europa den Standard ECHOCAST für den Besucherservice. Mit einem dazugehörigen Trainingsprogramm werden Kundenorientierung und Sicherheit bei allen Museumsmitarbeitern geschult. Bei Dussmann Service findet die Ausbildung im firmeneigenen Schulungscenter in Zeuthen bei Berlin statt, dem Dussmann Campus. Kommunikation, Konfliktbewältigung und Deeskalationstraining stehen im Mittelpunkt der zwei jeweils einwöchigen Ausbildungsmodule. „Hier wird gelernt, wie man schwierige Situationen meistert“, bringt es Siegfried Gierke, Dussmann-Bereichsleiter für Sicherheit, auf den Punkt. Ein Museumsbesuch aus der Kundenperspektive gehört auch zum Programm.  

Seit 1995 haben die Staatlichen Museen Berlin viele Dienstleistungen ausgegliedert. Das führt zu mehr Flexibilität, auch bei den immer häufigeren Sonderveranstaltungen. „Mit eigenem Personal wäre das wesentlich schwerer zu schaffen“, sagt Hans-Jürgen Harras. Nicht nur das: „Wir können Qualitätsparameter in der Ausschreibung genau definieren und später einfordern.“ Das hohe Serviceniveau auf der Museumsinsel wird auch von internationalen Museumskollegen bestätigt: „Da höre ich viel Lob.“   Im

Neuen Museum wird das alte Ägypten lebendig  

Vor dem Neuen Museum herrscht normaler Nachmittagsbetrieb. Bernd Becher und Ronnie Sagur reißen nicht nur die Eintrittskarten ab. Die beiden Dussmann-Mitarbeiter beantworten auch viele Fragen. Warum die auf dem Ticket vorgegebenen Zeitfenster unbedingt einzuhalten sind und wo es in der Nähe Briefmarken zu kaufen gibt. Ruhig und freundlich geben sie Auskunft. „Man will den Besuchern schließlich ihre Wünsche erfüllen“, meint Becher lächelnd. Drinnen im Allerheiligsten, bei Nofretete, ist der Geräuschpegel gedämpft. Hier soll ein Ort der Ruhe sein. Keine Fotos, Erläuterungen nur vor Eintritt in den imposanten Kuppelsaal – daran halten sich die Besucher. Und begegnen der schönen Ägypterin andächtig von Angesicht zu Angesicht. Gülsen Canberi schaut in die Gegenrichtung. Sie hat ein Auge auf die Besucher. Seit anderthalb Jahren arbeitet die 30-Jährige im Neuen Museum. Am liebsten hier. Nicht wegen Nofretete, sondern wegen der Besucher: „Es macht Spaß, sie zu beobachten.“ Stress gibt es ganz selten. Meist genügt ein kurzer Hinweis und jeder respektiert die besondere Aura. Es ist kurz vor 18 Uhr. Gut gelaunt und ausgeschlafen klingelt Lutz Schlaffke am Mitarbeitereingang des Neuen Museums. Der Dussmann-Sicherheitsmitarbeiter hat heute Nachtschicht. Bis morgens um sechs liegt die Verantwortung für die Sicherheit der Pharaonen bei ihm und einem Kollegen. Aber noch sind die beiden nicht allein mit Nofretete. Handwerker sind noch im Haus, die vom Übergangsdienst betreut werden. Also sitzt Schlaffke erst einmal in der Sicherheitszentrale. Was drinnen und draußen rund um das Gebäude vorgeht, sieht er sowieso. In der Wand eingelassene Monitore zeigen jeden Winkel. Es ist soweit: Der letzte Mitarbeiter hat die Ausstellungsräume verlassen. Lutz Schlaffke stellt „scharf“, wie er das nennt. Ab jetzt löst jede Bewegung im Gebäude Alarm aus. Auch die Sicherungssysteme für die Gebäudetechnik laufen in der Sicherheitszentrale zusammen. Der 58-Jährige arbeitet gern in der Nacht: „Da ist es schön ruhig. Beim Rundgang bleibt man dann vor einem Kunstwerk stehen und liest, aus welcher Dynastie es ist und was es bedeutet.“ Dazu hat Schlaffke jede Nacht reichlich Gelegenheit. Er muss mehrere Kontrollgänge durch alle Ausstellungsräume machen. Dabei durchquert er auch immer wieder seinen Lieblingsraum: den Ägyptischen Hof. Die vielen Sarkophage, die von der Reise ins Jenseits erzählen, mag er besonders. Morgens um fünf hat Lutz Schlaffke rund 18 Kilometer zurückgelegt. Allmählich füllt sich das Haus wieder. Die ersten Reinigungskräfte treffen ein, ebenso der Übergangsdienst. Wenn Schlaffke um sechs Uhr geht, verfehlt er knapp Einsatzleiter Steffen Franz. Der beschäftigt sich so früh am Morgen mit der Abrechnung der Einnahmen vom Vortag und bereitet die Kassen vor. Auch die Geldverarbeitung liegt in der Verantwortung des Dussmann-Teams. Damit alles schnell, freundlich und reibungslos geht, wenn sich um zehn Uhr wieder die Türen öffnen für Touristen und Einheimische, die zu den Kulturschätzen der Menschheit strömen.  

Kontakt

Dussmann Service Deutschland GmbH
Zweigniederlassung Berlin/Brandenburg
Andreas Rüger
Tel. +49 (0)30/ 20 25 17 00  
Michaela Mehls

Medienkontakt

Michaela Mehls
Leiterin Unternehmenskommunikation | Pressesprecherin
Tel. +49 30 2025-2525

Medienkontakt

Markus Talanow
Leiter Group Communications
Telefon +49 30 2025-1787+49 30 2025-1787

Medienkontakt

Michaela Mehls
Leiterin Unternehmenskommunikation | Pressesprecherin
Telefon +49 30 2025-2525+49 30 2025-2525

Medienkontakt

Miranda Meier
Pressesprecherin
Telefon +49 30 2025-2842+49 30 2025-2842

Erweiterte Suche

Diese Seite weiterempfehlen