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"Fürstenberg-Dussmann lernt Arabisch": Interview in der FAZ vom 19.02.2018

19.02.2018 — Catherine von Fürstenberg-Dussmann und Dr. Wolfgang Häfele im Interview mit der FAZ

Für den Gebäude-Dienstleister Dussmann soll der Nahe Osten die dritte Säule des Geschäfts bilden. Die Mitinhaberin setzt sich auch in Deutschland für das Miteinander der Religionen ein.

geg. FRANKFURT, 18. Februar. Catherine von Fürstenberg-Dussmann lernt Arabisch. Die Mitinhaberin des vor allem auf Gebäudedienstleistungen sowie Alten- und Pflegeheime (Marke Kursana) spezialisierten Konzerns Dussmann sieht in den Ländern rund um Saudi-Arabien ein großes Geschäftspotential. Der arabische Raum soll für die neue Expansion des Unternehmens eine wichtige Rolle spielen. "Die Araber haben schöne und teure Gebäude von exzellenter Architektur", schwärmt Fürstenberg-Dussmann. In den arabischen Ländern (gemeint ist immer der Nahe Osten vom Libanon bis Saudi-Arabien, nie Iran) möchte sie Energie kontrollieren, Aufzüge betreiben, Gebäude reinigen und Haustechnik überwachen. Die Objekte seien gut, und gutes Personal sei vor Ort vorhanden "bis hin zu indischen Ingenieuren". Fürstenberg-Dussmann sieht das offenbar nicht allein so. "Der Nahe Osten soll wie heute schon Italien ein wichtiges internationales Standbein unseres Unternehmens werden", springt ihr Wolfgang Häfele zur Seite. Häfele leitet seit August vergangenen Jahres als Sprecher des Vorstandes das operative Geschäft der Gruppe. Fürstenberg-Dussmann nimmt als Vorsitzende des Stiftungsrates die Interessen der Familie Dussmann - nach dem Tod des Unternehmensgründers Peter Dussmann ist das neben ihr noch ihre Tochter Angela Göthert - wahr.

Mit Häfele leitet Fürstenberg-Dussmann gerade eine neue Wachstumsphase ein. Über die spricht sie gern. Bei Fragen zur Vergangenheit wird die sehr sprachgewandte Unternehmerin trotz aller schauspielerischen Talente - Fürstenberg-Dussmann hat eine künstlerische Ausbildung in Amerika genossen - sehr einsilbig. Zu dieser Vergangenheit gehört die Trennung von Häfeles Vorgänger und der Rechtsstreit mit ihrer Tochter. Beide Ereignisse belasteten das Unternehmen nicht, versichern Fürstenberg-Dussmann und Häfele übereinstimmend. Der Führungswechsel habe geklappt, und der Streit um das Erbe sei eine Privatsache der Familie; in allen kaufmännischen Angelegenheiten arbeite man durchaus kooperativ zusammen.

Dazu gehört auch die neue Wachstumsstrategie. Dussmann werde in den kommenden Jahren im Inland die bisher schwach besetzen Regionen im wirtschaftlich starken Südwesten ausbauen, die internationale Expansion fortsetzen, die Digitalisierung nicht nur mitmachen, sondern mit eigenen Produkten und Dienstleistungen vorantreiben und sich noch stärker an Kundenwünschen ausrichten. Damit werde man wieder auf den Wunschwachstumspfad von 5 Prozent im Jahr zurückkehren. 2017 sei das nicht erreicht worden. Der Umsatz, dessen genaue Höhe im Mai bekanntgegeben wird, dürfte mit 2,2 Milliarden Euro nur knapp 2 Prozent über dem Wert des Vorjahres von 2,16 Milliarden Euro gelegen haben.

Aber schon in den ersten Wochen diesen Jahres zeige die neue Ausrichtung Wirkung: Der Umsatz steige deutlich. "90 Prozent des geplanten Umsatzes für 2018 steht schon in den Auftragsbüchern", versichert Häfele. Die derzeitige Geschäftslage ist so gut, dass Fürstenberg-Dussmann zum ersten Mal in ihrer Unternehmerinnenkarriere vier Wochen Urlaub gemacht hat, um ihre Verwandten in den Vereinigten Staaten zu besuchen. Ihr

Namensbestandteil Fürstenberg legt aber nicht nur die Verbindung zur gleichnamigen Porzellanmanufaktur bei Höxter an der Weser nahe; Frau Fürstenberg-Dussmann hat auch dort ihre Wurzeln. Die kappte aber schon ihr Vorfahr, der Deutschland 1847 verließ. Sie schätzt das Porzellan ihrer norddeutschen Verwandtschaft, aber die Manufaktur über der Weser zu übernehmen sei nicht ihr Ziel. Ihr Einsatz gilt dem Unternehmen ihres verstorbenen Mannes - und ihrem sozialen und gesellschaftlichen Engagement. Die Unternehmensgruppe ist nicht zuletzt unter ihrer Führung weit über den Markt für Gebäudedienstleistungen hinausgewachsen.

Zwar ist das deutsche Facility-Geschäft mit 600 Millionen Euro der größte Einzelumsatz, gefolgt vom Geschäft in Italien (446 Millionen Euro). Aber schon an dritter Stelle kommen die Alten- und Pflegeheime Kursana (400 Millionen Euro). Dann folgen Auslandsmärkte in Luxemburg und Österreich, bevor das Dussmann Kulturkaufhaus in Berlin mit seinen 40 Millionen Euro auf der Umsatzliste erscheint. Mit Stolz verweist Fürstenberg-Dussmann aber auch auf ihre acht Kulturkindergärten, zu denen in diesem Jahr auch ein erster Hort kommen soll.

Das soziale Engagement liegt Fürstenberg-Dussmann am Herzen. Gerade in der Facilitybranche, die viele Jahre mit Niedriglöhnen und Teilzeitkräften in Verbindung gebracht wurde, hat sich Dussmann immer für einen Mindestlohn starkgemacht. Für Fürstenberg-Dussmann verlangt dies die Würde der Mitarbeiter geradezu. Häfele weist etwas nüchterner darauf hin, dass bei Gebäudedienstleistungen der Personaleinsatz enorm hoch sei und daher das Personal über die Qualität und damit die Zufriedenheit des Kunden entscheide.

Das wirtschaftliche Umfeld für den neuen Aufbruch von Dussmann ist günstig. "Wegen der guten Konjunktur steigt nicht nur die Nachfrage nach unseren Dienstleistungen, sondern die Nachfrage ist - im Gegensatz zu jener in Krisenzeiten - nicht kostengetrieben", stellt Häfele zufrieden fest. Zum anderen falle es den Unternehmen immer schwerer, Mitarbeiter für diese immer anspruchsvoller werdenden Dienste zu finden.

Die Dienstleistungen rund um die Immobilien werden zunehmend von der Digitalisierung verändert. Das reicht von Drohnen zur Überwachung und Sensoren (meist an Lampen angebracht), die der Reinigungskraft signalisieren, ob der Mülleimer voll ist oder ob ein Raum gereinigt werden muss, über Reinigungsroboter bis hin zur Betreuung von Rechenzentren und Reinsträumen. Dussmann werde diese Entwicklung nicht nur passiv hinnehmen, sondern aktiv forcieren, sagt Häfele. Man stehe mit Herstellern von Reinigungsgeräten, Drohnen oder Robotern in engem Kontakt.

Der Kunde akzeptiert das offenbar. Zu den jüngsten Aufträgen zählt die Sicherheitsbetreuung von Schloss Neuschwanstein oder die Reinigung an den Flughäfen Vilnius und Bergamo. Dass man 16 Niederlassungen des Softwareunternehmens Oracle technisch betreue und reinige, weise ebenso in die Zukunft wie weitere Aufträge des Pharmaherstellers Roche. "Wir wollen hochwertige Aufträge", betont Häfele. "Wir wollen uns strategisch noch stärker auf die Reinigung von Reinsträumen ausrichten." Der Erfolg bestätigt die Strategie: der Umsatz steigt, das Unternehmen sei - ohne genaue Zahlen zu nennen - profitabel und schuldenfrei.

Fürstenberg-Dussmann gibt das die Möglichkeit, sich stärker um die Förderung des geplanten "House of one" zu kümmern. Darin sollen einmal mitten in Berlin eine christliche Kirche, eine jüdische Synagoge und eine muslimische Moschee unter einem Dach Platz finden. Hier sollen die Religionen friedlich zusammenleben. Trotz aller Terroranschläge und Vorwürfe

glaubt sie daran, dass solches möglich ist. Kraft gibt ihr der Hausspruch von Dussmann: Gib niemals auf.

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