Der grüne Therapeut am Bett

06.04.2010 — Das „Plantomobil“ rollt durchs Kursana Domizil Friesenheim
© Kursana

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Text: Anette Bergermann

Der 84-Jährige sitzt, durch zwei in den Rücken gesteckte Kissen gut gestützt, aufrecht in seinem Bett – und gärtnert mit sichtlicher Begeisterung: „Das Peterle, des würd ich neben den Schnittlauch setzen“, erklärt er. Mit einem kleinen Spaten hebt er vorsichtig ein wenig Erde aus dem Kasten, nimmt das zarte Pflänzchen in die Hand, schnuppert noch ein wenig genießerisch an dem Kraut, bevor er es gekonnt einsetzt und mit Erde auffüllt. „Jetzt müssen wir's noch angießen“, rät Ergotherapeutin Damaris Bieler und reicht dem alten Herrn ein kleines Gießkännchen.

Das Kursana-Team ist sich einig: „Das Plantomobil ist für unsere schwer mobilisierbaren Bewohner der Hit. Da wächst der Garten glatt bis in die Wohnbereiche und manchmal sogar bis ans Bett.“Das grün-weiße Gefährt ist Marke „Eigenbau“. Gartentherapie-Experte Hartmut Pradt hat es speziell für bettlägerige Bewohner entworfen und in der Domizilwerkstatt, unterstützt von Bielers Handwerkergruppe, gebaut. „Das ist praktisch ein kleiner Garten auf Rädern, den wir zu den Bewohnern oder in die Wohnbereiche fahren können. Ein richtiges Hybrid-Fahrzeug in seiner Doppelfunktion als Miniaturgarten und Werkstattwagen“, erklärt Pradt stolz.

Pradt, der sein Projekt stolz „Plantomobil“ getauft hat – „oder gut badisch kann man auch Scheese-Wage dazu sagen“ – will damit neue Wege in der Pflege gehen. Ihm und dem Kursana-Team geht es darum, die Lebensqualität gerade der schwerstkranken Senioren, die teilweise bettlägerig sind, zu erhöhen.

„Gärtnern tut jedem gut. Denn die Natur hilft Heilen. Aber wenn das mit dem Laufen und dem Bücken nicht mehr geht, dann können die Düfte der Pflanzen anregen oder beruhigen.“ „Beim Blumengießen, beim Arbeiten mit Erde kommen oft Erinnerungen an Vergangenes zurück. Und das hilft uns bei der Biografiearbeit sehr“, bestätigt auch die stellvertretende Wohnbereichsleiterin Katharina Biskup, die das Projekt begleitet.

Schon von weitem ist das grün-weiße Gefährt als kleiner rollender Garten zu erkennen. Für die Erstbepflanzung hat Pradt sogar einen stattlichen Baum gewählt, eine chinesische Bonsai-Ulme. Daneben sind verschiedene Pflanzen, teils grünend, teils blühend zu bewundern. Moos und Steine lockern das Ensemble auf und lassen auch den Tastsinn der Bewohner nicht zu kurz kommen. „Das Wachsen und Gedeihen der kleinen Pflanzen zu beobachten, ein wenig zu hegen und zu pflegen, das tut auch der Seele gut“, davon ist das Therapieteam überzeugt.

Der 86-jährige Gärtner jedenfalls wirkt nach getaner Arbeit sichtlich zufrieden: Stolz bewundert er sein Werk. „Gell, wenn's Peterle reif ist, dann bringts mir auch ein Sträußle?“ ruft er dem davon rollenden Minigarten-Team hinterher.
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