Benzin für Berlin

01.04.2011 — PCK Schwedt treibt mit Kraftstoffen die Motoren einer ganzen Region an und ist selbst ein Wirtschaftsmotor. Wer in die Anlagen will, muss die Schulbank drücken.

Benzin für Berlin

Mobiles Catering – Tag und Nacht

Auch Kaltes steht in verführerischer Auswahl in der Vitrine. Salate, lecker belegte Brötchen, Kuchen, frisches Obst – alles da.

Serviceplus Das Magazin

Text: Gerd Hartmann
Fotos: Kay Herschelmann

Mit dramatischer Musik und eindringlichen Bildern informiert ein Sicherheitsvideo im Schulungsraum über Ge- und Verbote auf dem Gelände. Doch damit nicht genug: Per Multiple-Choice-Fragebogen wird das Gelernte anschließend geprüft. Erst danach bekommt man den Zugangsausweis ausgehändigt. Dabei ist der Besucher bereits mit einem feuerfesten Anzug, antistatischen Schuhen, Schutzhelm und Brille ausgestattet. Sicherheit wird bei der PCK in Schwedt ganz groß geschrieben. Das ist kein Wunder. In dieser Großraffinerie fließen schließlich tonnenweise hochexplosive Flüssigkeiten durch ein Labyrinth aus Rohren und Tanks.  

In Zahlen heißt dies, dass am Rande des kleinen brandenburgischen Städtchens nahe der Grenze zu Polen rund zehn Prozent des deutschen Rohölbedarfs verarbeitet werden. 11,5 Millionen Tonnen des Schwarzen Goldes werden jährlich zu den verschiedensten Kraftstoffen veredelt. Hier endet die Pipeline „Drushba“ – was auf Russisch „Freundschaft“ bedeutet. Sie bringt den begehrten Rohstoff aus den Weiten Sibiriens direkt nach Deutschland. Zusätzlich führt noch eine Leitung zum Ostseehafen Rostock. So kann die PCK auf einem zweiten Weg versorgt werden. Ein wichtiges Sicherheitsventil, falls der direkte Ölfluss einmal durch politische Spannungen unterbrochen würde. Auch das Fertigprodukt fließt zum Teil direkt in Richtung Endverbraucher. Eine Benzin - Pipeline führt in den Großraum Berlin. Die PCK treibt mit ihren Produkten nicht nur Motoren an. Sie ist selbst einer. Mit über 1.100 Mitarbeitern ist sie der größte Arbeitgeber in der Uckermark und zugleich wichtiger Auftraggeber für Zulieferer und Dienstleister. Viele von ihnen haben sich in direkter Nachbarschaft angesiedelt. Ein Teil des riesigen Werkgeländes wurde in den 1990ern Jahren im Zuge der Privatisierung in einen Industriepark umgewandelt. Mittlerweile ist daraus das größte zusammenhängende Gewerbegebiet Nordbrandenburgs geworden. Siebzig Firmen haben hier ihren Sitz. 

„Wir machen hier fast alles in Eigenproduktion“, sagt Lars Wilbrecht, „selbst den Keks zum Kaffee.“ Die Betriebsgastronomie nimmt in der Unternehmensphilosophie der PCK einen sehr hohen Stellenwert ein. Und Betriebsleiter Wilbrecht sorgt mit dem Dussmann Service-Team dafür, dass dieser Anspruch umgesetzt wird. Der 40- jährige Küchenmeister, der bis vor drei Jahren als Chefkoch auf der als ZDF Traumschiff bekannten MS Deutschland durch die Weltmeere kreuzte, setzt vor allem auf Frische und regionale Produkte. Die Speisepläne – mit Schwerpunkt auf gut bürgerlicher Küche – werden nur eine Woche im voraus erstellt. „Damit können wir aktuell auf den Markt reagieren.“ Ein Ansatz, der bei einer Größenordnung von rund 1.000 täglichen Essen eher ungewöhnlich ist. Genauso, wie der hohe Anteil an Hausgemachtem. Püree aus selbstgekochten Kartoffeln, Rotkohl aus frischer Ware – die Qualitätslatte liegt hier enorm hoch. Für sein Hirschgulasch verarbeitet Wilbrecht Wild aus der PCK-eigenen Jagd. Alle Standards einer hochwertigen Betriebsgastronomie sind hier natürlich auch eine Selbstverständlichkeit. Ein Frühstücksangebot an warmen Speisen, Wok-Station und vor den Augen der Gäste zubereitete Fleischgerichte gehören genauso dazu wie Salat- und Nachspeisenbüfetts.  

Wie beliebt die frische Küche ist, zeigt sich ganz besonders an Weihnachten. Da können die PCK-Mitarbeiter ihren Festtagsbraten für zu Hause bestellen. Zweieinhalbtausend Portionen Ente, Wild und sonstiger Leckereien werden jedes Jahr geordert. Dazu kommen noch sagenhafte 4,5 Tonnen hausgemachter Plätzchenteig, der roh zum Selbstbacken an die Betriebsangehörigen verkauft wird.  

Eine Raffinerie ohne Rückstände  

Seit Ende 1963 die Pipeline „Drushba“ in Betrieb ging, entwickelte sich die PCK in Riesenschritten zu einem Schwergewicht der DDR-Industrie. Das „Petrolchemische Kombinat“, wofür das Kürzel PCK damals noch stand, versorgte nicht nur die DDR mit Kraftstoffen. Auch im Westteil der Mauerstadt Berlin fuhren fast alle Autos mit Sprit aus Schwedt. Dementsprechend gehörte das vergleichsweise modern ausgestattete Unternehmen nach der Wende zu den Kronjuwelen des untergegangenen Staates. Mittlerweile betreibt ein Gesellschafterkonsortium aus den Ölriesen Shell, BP, Eni und TOTAL eine der erfolgreichsten Raffinerien Europas. 85 Prozent der Tanks im Großraum Berlin/Brandenburg sind mit Kraftstoffen aus Schwedt gefüllt. Und diese Zahl bezieht sich nicht nur auf PKWs und Brummis, sondern auch auf Flugzeug- und Heizöltanks.  

Ein rechtwinkliges, mit Nummern und Buchstaben benanntes Straßennetz, dazwischen gewaltige Tanks, Verarbeitungsanlagen und verschlungene Rohrleitungssysteme, unten in den Kühltürmen spritzen Wasserfontänen, wie in einem riesigen Springbrunnen. Ohne fachkundige Erklärung sieht das einfach nur überwältigend aus. Dahinter steckt eine hocheffektive, rückstandsfreie Raffinerie, die bei internationalen Vergleichen regelmäßig mit den geringsten Verarbeitungskosten in ganz Westeuropa brilliert. Das eigene Kraftwerk versorgt die Stadt Schwedt mit Fernwärme und speist Strom ins Netz. Rund zwei Milliarden Euro sind dafür in den letzten 20 Jahren investiert worden.  

Die PCK produziert im Auftrag ihrer vier Gesellschafter. Aber insgesamt zehn Mineralölfirmen beziehen ihre Produkte aus Schwedt. Der „große“ Unterschied der Marken lagert in einer handvoll kleiner Tanks am Rand des Geländes. Bis zur Abfüllstation ist Kraftstoff gleich Kraftstoff. Erst hier kommt der Tiger in Form von Zusätzen in den Tank. Die Rezepte der Zaubermittel für effektivere Verbrennung und Leistungssteigerung sind streng geheim. Dementsprechend werden die Additive von den verschiedenen Gesellschaften hierhin angeliefert und zugemischt.  

Mobiles Catering – Tag und Nacht 

„Ich mache einen Männerjob“, erzählt Liane Bienst. Sieht gerade gar nicht danach aus. Es ist Mittagszeit und sie steht in der Küche vor einem großen Blech mit Hähnchenkeulen, die sie mit Marinade bestreicht und in den Ofen schiebt. Aber das ist nur der Anfang der Arbeit der gelernten Köchin und Fleischerin. Der Hauptteil beginnt Punkt zwei Uhr. Dann schwingt sie sich hinter das Steuer eines zum Versorgungsfahrzeug umgebauten Lieferwagens und geht auf Tour. Das Raffineriegelände ist mit mehreren hundert Hektar so groß, dass die Anlagenfahrer und Ingenieure in weiter entfernt liegenden Betriebsteilen ihre ganze Pause nur mit dem Hin- und Rückweg zum Werksrestaurant verbringen würden. Deshalb bietet die PCK einen mobilen Cateringservice an. Zu allen Schichten. Morgens und mittags fahren zwei Wagen jeweils rund fünfzehn Stationen an, in der Nacht gibt es eine große Tour.  

Liane Bienst gibt Gas. Sie ist drei Minuten zu spät dran und die Männer wissen genau, wann der Wagen in ihrem Sektor ankommen soll. Auf dem Werksgelände sind nur 30 Stundenkilometer erlaubt, woran sie sich auch strikt hält. Also heißt Gas geben in diesem Fall den Rückwärtsgang einlegen anstatt wenden. Geschickt manövriert sie ihren Wagen bis zur nächsten Ecke. Geschafft. Am nächsten Haltepunkt kommt sie pünktlich an. Die Klappe zur Verkaufstheke ist kaum hochgefahren, schon strömen die ersten Mitarbeiter herbei. Manche sogar auf dem Dienstfahrrad. In allen Anlagen gibt es Aufenthaltsräume mit voll ausgestatteten Pantryküchen. Dort können auch die Tiefkühlmenüs für die Nachtschicht regeneriert werden.  

Untertags verkaufen Liane Bienst und Ihre vier Kollegen warme Speisen. Neben den Hähnchenkeulen, die sie vorher vorbereitet hat und die jetzt appetitlich gebräunt in der Vitrine liegen, sind heute ein überbackenes Steak, Bouletten und diverse Bratwürste im Angebot. Dazu die in Ostdeutschland sehr beliebte Soljanka, ein Eintopf mit einem Klecks frischer saurer Sahne, der natürlich auch in der mobilen Version nicht fehlt. Die Versorgungswagen sind mit einer Auswahl der Tagesspeisekarte bestückt: „Alles, was wir temperatur- und geschmacksmäßig über zwei Stunden sicher halten können“, wie es Lars Wilbrecht ausdrückt. Top-Qualität ist das höchste Gebot. Auch Kaltes steht in verführerischer Auswahl in der Vitrine. Salate, lecker belegte Brötchen, Kuchen, frisches Obst – alles da. Auch die Getränke-Auswahl lässt keine Wünsche offen.  

Die drei Versorgungswagen der PCK sind sehr hochwertig ausgestattete Spezialanfertigungen. Ein bargeldloses Zahlungssystem mit Chipkarten und Touchscreen gehört genauso dazu, wie Warmhalte- und Kühlgeräte für alle Bedürfnisse. Grenzen setzen nur die betriebsinternen Sicherheitsauflagen. Da ein Stromgenerator nicht zugelassen ist, wird die gesamte Technik mit Akkus gespeist.  

Nicht nur das riesige Angebot macht die Musik. Liane Bienst hat für jeden Kunden den passenden Spruch parat. Viele kennt sie mit Namen. Schwedt ist eine kleine Stadt, da begegnet man sich oft auch außerhalb der Arbeit. „Wenn es unwiderstehlich ist, dann nehme ich das volle Menü“, scherzt Anlagenfahrer Mathias Rapski. „Und das ist es meistens“, fügt er hinzu und balanciert Suppe, Bouletten und einen Obstsalat in Richtung Pausenraum.  

Großstillstand heißt Hochbetrieb  

Ganz besonders gefordert sind Lars Wilbrecht und die Dussmann Service-Crew, wenn ein „Großstillstand“ ins Haus steht. Dann sind bis zu 2.500 zusätzliche Arbeiter auf dem Gelände, die in hoher Qualität beköstigt werden wollen. Alle drei Jahre findet diese umfassende Revision statt, bei der große Teile der Raffinerieanlagen für sechs Wochen abgeschaltet werden. Ähnlich wie beim TÜV eines Autos werden dann Ausrüstungen auf Herz und Nieren geprüft, Reinigungen und Katalysatorenwechsel vorgenommen und neue Anlagen – die schon vorher aufgebaut wurden – eingebunden. Ein Großstillstand ist eine enorme logistische Herausforderung. Bei „Start 10“, wie die letzte Generalüberholung 2010 hieß, umfasste allein der Reparaturplan 50.000 Einzelmaßnahmen. Auch im Catering-Bereich läuft dann der Motor auf Hochtouren. Im Gelände wurden zwei Großzelte aufgebaut, um eine arbeitsplatznahe 24-Stunden-Versorgung für insgesamt 3.000 Personen zu garantieren. „Da die Küche ursprünglich für eine wesentlich größere Mitarbeiterzahl ausgelegt war, schaffen wir solche Kapazitäten auch heute noch“, meint Betriebsleiter Wilbrecht, als wäre es die einfachste Sache der Welt, von jetzt auf gleich das dreifache Speisenangebot auf die Teller zu bringen. Beim nächsten Mal, 2013, wird sowieso alles noch umfangreicher. Dann wird noch eine Tausendschaft Arbeiter mehr erwartet.  

Liane Bienst biegt in den Küchenhof ein. Nach fast zwei Stunden hat sie ihre Tour beendet. Von den warmen Speisen liegt fast gar nichts mehr auf den Servierblechen. „Am meisten Spaß macht mir der Kontakt mit Menschen bei der Arbeit“, sagt sie noch, während sie zufrieden ihren Wagen aufräumt. Weiblicher Charme ist schließlich auch bei einem Männerjob ein guter Begleiter.
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